Crash-Flow: Verfügbares Kapital der Köpfe

Dem Cash-Flow mag es gerade an Durchflussmenge fehlen. Das Humankapital jedoch zeigt sich durch die Corona-Krise so fluid wie seit langem nicht. Das vermehrt verfügbare Kapital der Köpfe birgt Chancen. Für die Schnellen.

Arbeitslosigkeit weiter deutlich über Vorjahresniveau

Ab 1. Oktober 2020 können Unternehmen für maximal sechs Monate das neue Kurzarbeitsmodell beantragen. Ein wichtiger Schritt der Regierung. Denn trotz der bisherigen Corona-Kurzarbeit zeichneten sich die Auswirkungen von COVID-19 auf den Arbeitsmarkt bereits dramatisch ab. Ende August waren 422.910 Jobsuchende beim Arbeitsmarktservice gemeldet. Damit lag die Zahl der Arbeitslosen um 42.272 Personen oder 27,9 % über dem Vorjahresniveau. So die aktuellen Zahlen einer Mitteilung des AMS vom 1. September 2020.

Gleichzeitig zeigt zum Beispiel der Außenhandel „erstmals Anzeichen von Erholung. Rückgänge sind zwar weiterhin deutlich, aber sie fallen mit rund 5 % schwächer aus als in den Corona-Monaten März bis Mai 2020“, sagt Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas in einer Pressemitteilung vom 8. September 2020. Diese positive Tendenz könnte durchaus eine anhaltende sein. Das legt zumindest der OeNB-Exportindikator (zum 10. September 2020) nahe: „Für die kommenden Monate signalisieren die Konjunkturindikatoren ... eine Fortsetzung des Aufholprozesses.“ Ein nicht unspannender Zeitpunkt also, um Scherben aufzusammeln und in die Zukunft zu investieren.

Fluides Kapital der Köpfe

So gravierend sich die Arbeitsmarktsituation für Jobsuchende darstellt, von einer Selektions-Perspektive aus gesehen, besitzt sie luxuriösen Charakter. Die gesteigerte Zahl verfügbarer Arbeitskräfte erhöht die Chancen, den idealen Kandidaten zu finden, drastisch – per Wahrscheinlichkeit. Zudem sind durch die Krise auch Menschen in die Jobneuverteilungs-Maschinerie gelangt, die ansonsten nie verfügbar geworden wären. Menschen, die nicht dem Typ entsprechen, der sich leicht zu einem Wechsel bewegen lässt. Aus Unternehmenstreue oder aus kollegialer Integration heraus, auch aufgrund des Bewahrens eines sicheren Zustandes. Doch nun sind starre Strukturen krisenbedingt aufgebrochen. Was zuvor unbeweglich und unantastbar war, ist nun fluide und verfügbar. Die Auswahl an Profilen ist groß, vielfältig und enthält ganz neue, seltene Perlen. Das ist eine Chance.

Unternehmen, die jetzt die Hand reichen, ernten spontane Dankbarkeit, aus der langfristige Treue erwächst. Ein Grundproblem vieler Firmen besteht in der Kombination einer nicht unerheblichen Einlernphase und einer zu hohen Fluktuation von Personal. Mitarbeiter wechseln, obwohl sie gerade erst solide eingeschult wurden und eine nur kurze Phase des echten Mehrwerts absolvierten. Eine Anwerbung in Krisenzeiten schürt die Langzeittreue. Darin besteht eine weitere, große Chance. Wer es sich leisten kann, sichert sich jetzt die Besten und nutzt die gegenwärtig noch bescheidene Auftragslage für gründliche Einschulungen, Weiterbildungen sowie Entwicklungs- und Innovationsprojekte. Die Amortisation realisiert sich nach der Krise.

Die besten Arbeitskräfte jetzt sichern

Und womit lassen sich die Personal-Perlen am Arbeitsmarkt in der jetzigen Ausnahmesituation überzeugen? Argumente, die das Sicherheitsdenken im Menschen ansprechen, stehen naturgemäß hoch im Kurs. Aber so leicht ist es nicht. Die Motive gehen hier durchaus auch komplexere Wege. So wollen „die Menschen in Zukunft mehr Achtsamkeit an den Tag legen, d.h. mehr als vor der Krise über ihr Leben nachdenken, sich selbst etwas Gutes tun und Sport treiben“, legt eine aktuelle Studie (Das neue Retro) der Karmasin Research & Identity in Kooperation mit Insight Austria offen. „Diese Selbstbezogenheit bezieht auch die ... direkte Umgebung mit ein, wie ... die Region, die mehr geschätzt wird als früher.“ Dieser neue Lebensstil wird in der Studie als stabiler Megatrend eingestuft, als eine Veränderung, die über die Krise hinaus bleiben wird.

Argumente mit Zugkraft, die moderne Leistungsträger jetzt magisch anziehen:

  • Flexible Arbeitszeiten und -orte über die Krisenzeit hinaus
  • Gesunde Unternehmenskultur, die das mentale Wohlbefinden fördert
  • Wertschätzender Umgang im Unternehmen
  • Weiterbildungsangebote in einer lernenden Organisation, die neben der unternehmerischen auch in die persönliche Zukunft investieren
  • Transparente Entscheidungen, die Verantwortlichkeit und Fairness vermitteln
  • Offene, ehrliche Kommunikation
  • Unternehmensziele im Einklang mit der Umwelt und der Region

Der Personalfluss ist in Bewegung geraten. Wer finanziell in der Lage dazu ist, zieht seine Vorteile aus dem Crash Flow und sichert sich nun die besten Köpfe. Schnell zuschlagen und in die Zukunft investieren, sonst zieht der Moment einfach vorbei.

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