Die enormen Fortschritte bei klassischen und generativen KI-Tools haben die Recruiting-Branche in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Das Zusammenspiel von Mensch und KI unterstützt Unternehmen und Talente bereits heute aktiv dabei, zueinanderzufinden. Viele Betriebe nutzen diese Möglichkeiten bereits gezielt, um Routineaufgaben im Recruiting zu automatisieren und effizienter zu gestalten.

Moderne KI-Tools können riesige Datenmengen verarbeiten und generieren neue Inhalte, die verblüffend authentisch anmuten – zudem entwickeln sie sich permanent weiter. Das wirft für viele Unternehmen und Recruiter:innen eine entscheidende Frage auf: Welche Rolle bleibt dem Menschen künftig im Recruiting?

In diesem Artikel zeigen wir auf, warum Recruiting-Profis auch in absehbarer Zeit unverzichtbar bleiben. Die Auswirkungen von KI auf die Personalbeschaffung sind zwar enorm und die Technologie kann die Effektivität massiv steigern. Den Menschen gänzlich ersetzen wird sie jedoch nicht.

KI und der Arbeitsmarkt

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Nur der Mensch kann eine starke Beziehung zwischen Unternehmen und Talenten aufbauen

Recruiting ist ein People Business. Oft gilt es, die Wünsche, Perspektiven und tieferliegenden Motivationen der Unternehmen sowie der Kandidatinnen und Kandidaten wirklich zu verstehen. Eine starke Beziehung, die auf klarer Kommunikation beruht, ist hierfür unerlässlich – und oft führt genau dieser persönliche Draht zu den erfolgreichsten Besetzungen.

Selbst wenn die Beziehung zwischen Talent und Recruiter:in rein professionell bleibt, ist klar: Ein freundliches Gegenüber und eine menschliche Verbindung sorgen für bessere Ergebnisse. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen: In einer in der HR-Fachzeitschrift Personnel Review veröffentlichten Studie konnten Forschende unter Laborbedingungen nachweisen, dass Talente positiver auf freundliche Recruiter:innen reagieren.

Die Ergebnisse zeigten, dass sich Testpersonen in einem simulierten Interview vom freundlichen Gegenüber stärker angesprochen fühlten, die Jobchance als attraktiver wahrnahmen und eher geneigt waren, die Stelle anzunehmen.

KI-Tools können zwar den manuellen Arbeitsaufwand reduzieren, schaffen es jedoch nicht, jene menschliche Verbindung herzustellen, die entscheidend zur Verbesserung der Recruiting-Ergebnisse beiträgt. Was uns zum nächsten Punkt führt.

Kandidat:innen vertrauen Menschen mehr als KI-Systemen

Der Hauptgrund, warum Menschen zögern, eine langfristige Beziehung zu einem „KI-Recruiter“ aufzubauen, ist simpel: Sie vertrauen der KI nicht. Das bestätigen zahlreiche Umfragen, insbesondere „Trust in artificial intelligence“, eine weltweite Studie aus dem Jahr 2023 von KPMG und der University of Queensland.

Laut Umfrage ist jede:r dritte Befragte skeptisch gegenüber KI-Systemen. 67 % der Befragten gaben an, der Technologie nur eine „geringe“ oder „moderate“ Akzeptanz entgegenzubringen. Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden erkannte zwar die Vorteile der KI an, aber nur die Hälfte glaubte, dass die Chancen die Risiken überwiegen.

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Die Studie untersuchte zudem das öffentliche Vertrauen in verschiedene KI-Anwendungen. Während die meisten Befragten dem Einsatz von KI bei medizinischer Diagnosen recht entspannt gegenüberstehen, genießt der Personalbereich (HR) das geringste Vertrauen.

Der Studienbericht ging zwar nicht explizit auf die Ursachen dieser Skepsis im Bewerbungsprozess ein, doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Es ist unwahrscheinlich, dass Bewerber:innen oder Unternehmen mit Profis zusammenarbeiten wollen, die sich blind auf KI verlassen. Schlagzeilen über hochentwickelte KI-Tools, die bestimmte Kandidat:innen diskriminieren, tragen außerdem dazu bei, dass dieses Vertrauensdefizit auf absehbare Zeit bestehen bleibt.

male and female looking at phone while sitting on a bench on a train platform.
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KI stößt an Grenzen, wenn es um spezialisiertes Fachwissen geht

Der Grund, warum die heute populären generativen KI-Tools so leistungsfähig sind: Sie wurden auf gewaltigen Datensätzen trainiert, die aus Inhalten des Internets, Büchern und Fachzeitschriften bestehen. Bei einer Anfrage können sie augenblicklich auf diesen enormen Wissensspeicher zugreifen und fast jede Frage nützlich beantworten.

Doch für Nischenpositionen oder Spezialbereiche nötiges Wissen fehlt in den Datensätzen meist. Informationen über die individuellen Bedürfnisse eines Unternehmens, die Ziele und Wünsche der beteiligten Personen sowie tiefgreifende Details zu spezifischen Produkten, Dienstleistungen und der Geschäftsstrategie können nicht einfach von einem Large Language Model (LLM) erfasst und strukturiert werden.

Die Zukunft der KI im Recruiting liegt in der Optimierung des Workflows, der Übernahme repetitiver Aufgaben und der Bereitstellung von sofortigem Feedback. Die Interaktion zwischen Mensch und KI ist eine hervorragende Möglichkeit für Recruiting-Profis, sich in einem fordernden Umfeld unterstützen zu lassen. Beziehungsarbeit und das „Perfect Match“ bleiben jedoch menschliches Hoheitsgebiet.

Auf lange Sicht wandelt sich das Berufsbild im Recruiting: Weg von der Administration, hin zur Beratung. Dabei wird tiefgreifendes Wissen genutzt, um Unternehmen und Kandidat:innen in die richtige Richtung zu lenken. Anzeichen dafür gibt es bereits: Laut Zahlen des HR-Analyseunternehmens Aptitude Research glauben 42 % der Recruiter:innen, dass KI ihnen dabei helfen wird, sich auf strategische Recruiting- und Planungsaufgaben zu konzentrieren, anstatt nur das Tagesgeschäft abzuwickeln.

Erfahren Sie mehr über die Einstellung zu KI am Arbeitsmarkt

KI hat, wie in anderen Branchen auch, einen erheblichen Einfluss auf das Recruiting. Unternehmen, die das Thema verantwortungsbewusst angehen, müssen sich um ihre Belegschaft nicht sorgen. Laden Sie unser kompaktes Positionspapier zu KI und dem Arbeitsmarkt herunter und erfahren Sie mehr über die Einstellung von Talenten, potenzielle Anwendungsfälle und unsere Empfehlungen für Arbeitgeber:innen, die das volle Potenzial von KI ausschöpfen möchten.

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Über den Autor
Patrick Cilif
Patrick Cilif

Patrick Cilif

Head of Sales

Patrick Cilif ist Head of Sales für Randstad in Österreich. Der bestens vernetzte Wiener ist Vater von zwei Töchtern, talentierter Fußballer und bringt zudem auch über 15 Jahre Erfahrung im HR-Bereich mit.

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