Mitarbeiterproduktivität ist ein Thema, seit der erste Handwerker einen Lehrling unter seine Fittiche genommen hat, um seinen Output und seinen Umsatz zu steigern. Die Geschichte des menschlichen Handels und der Industrie ist die Geschichte des Strebens nach immer höherer Produktivität. Die Baumwollentkörnungsmaschine, das Fließband, der Personal Computer (PC) – sie alle sind Teil der Innovationsgeschichte, die uns geholfen hat, schneller mehr zu erledigen oder zu produzieren. 

Fachleute und Unternehmen im Bereich Produktion und Industrie heutzutage sind ebenfalls Teil dieser Geschichte. Es ist aktuell in der Tat eine interessante Zeit in Sachen Produktivität, insbesondere aus HR-Sicht: 

  • Produktivität ist wichtiger denn je. 
  • Das Wohlbefinden der Mitarbeiter ist vielen Unternehmen ein wichtiges Anliegen. 
  • Personalverantwortliche haben erkannt, dass diese beiden Dinge eng miteinander verknüpft sind. 

Erfahren Sie im Folgenden mehr über diese drei Fakten und was wir daraus in Bezug auf die Produktivität der Mitarbeiter lernen können. 

Mitarbeiterproduktivität ist wichtiger denn je. 

Hier einige Fakten dazu, warum fast alle Unternehmen weltweit und insbesondere diejenigen in der Produktion und anderen Branchen, in denen Tele-Arbeit weniger leicht möglich ist, sich damit auseinandersetzen müssen, dass die Produktivität weiter steigen muss. 

Kunden erwarten sich mehr.

Große Läden, große Online-Händler und eine Kultur der sofortigen Befriedigung von Bedürfnissen, die durch das Internet ständig genährt wird, führen dazu, dass Kunden weniger bereit sind, auf das zu warten, was sie wollen oder brauchen. 

Die Budgets sind knapper.

Ein Wettlauf in Richtung Null bei der Preisgestaltung, die Forderung der Kunden nach mehr Gegenwert, ein verschärfter Wettbewerb, weniger Ressourcen aufgrund der Pandemie und andere Faktoren zwingen viele Unternehmen dazu, den Gürtel enger zu schnallen. Ein Gartner-Bericht aus dem Jahr 2020 zeigt, dass die CFOs aggressiv Kosten eindämmen, wobei einige die Ausgaben für das Jahr aufgrund der Pandemie um um bis zu 25 % reduzieren. Wenn Sie also mit weniger Geld auskommen müssen, sind Sie nicht allein. Aber wenn es Ihnen ebenso wie den meisten Ihrer Mitbewerber geht, können Sie nicht zulassen, dass Sie Ihre Produktion wegen Ressourcenproblemen stoppen müssen. 

Gute Mitarbeiter sind schwieriger zu finden.

Gute Leute dauerhaft an einen Arbeitsplatz zu binden, war schon immer eine Herausforderung, aber nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie haben Sie vielleicht auch noch mit Bedenken und Ängsten hinsichtlich der Gesundheit zu tun. Laut einer Umfrage von PricewaterhouseCoopers sind 80 % der CEOs besorgt darüber, ob genügend Schüsselqualifikationen vorhanden sind und auch in Zukunft sein werden. Und dennoch, ein Mangel an Arbeitskräften bedeutet noch lange nicht, dass Sie keine Nachfrage zu bedienen hätten. 

Dies sind nur einige wenige in einer langen Liste von Fakten, die alle zu demselben Schluss führen: Unternehmen stehen vor der Herausforderung, mehr mit weniger zu erreichen. Und das bedeutet, dass die Produktivität der Mitarbeiter so hoch wie möglich sein muss: Die Maximierung des Einsatzes jedes Mitarbeiters bedeutet, dass Sie mit weniger mehr erreichen können. 

Das Wohlbefinden der Mitarbeiter hat für die meisten Unternehmen eine hohe Priorität. 

Gleichzeitig leben wir nicht mehr in der Zeit, in der es um Baumwollentkernung oder um die Fertigungsstraßen der industriellen Revolution geht. Arbeiter und ihre Fürsprecher haben vor über einem Jahrhundert für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft und tun dies in einigen Fällen auch heute noch. Aber die meisten Arbeitgeber haben inzwischen verstanden, dass das Wohlbefinden der Mitarbeiter etwas ist, das für alle Seiten positiv ist. 

Hier sind nur einige Gründe, warum das Wohlbefinden der Mitarbeiter für die meisten Unternehmen heute eine hohe Priorität hat: 

Gesunde Mitarbeiter sind anwesende Mitarbeiter.

Mitarbeiter, denen es möglich ist, sich um ihre geistige und körperliche Gesundheit zu kümmern, erscheinen mit größerer Wahrscheinlichkeit regelmäßig zu ihren Schichten. Das ist essentiell für eine hohe Produktivität und Beständigkeit in der Belegschaft. Eine Untersuchung über den Gesundheitszustand von Arbeitnehmern in Australien ergab beispielsweise, dass sich Mitarbeiter, denen es nicht gut geht, bis zu neunmal häufiger krank melden als gesunde. In den USA fand das CDC (Centers for Disease Control and Prevention) heraus, dass fettleibige Frauen durchschnittlich bis zu einer Woche mehr Krankheitstage aufweisen als Frauen, die es nicht sind. 

Zufriedenere Mitarbeiter neigen dazu, länger im Unternehmen zu bleiben.

Eine hohe Arbeitsmoral und ein hohes Maß an Wohlbefinden der Mitarbeiter führen zu einer geringeren Fluktuationsrate. Da es mehr kostet, einen neuen Mitarbeiter einzustellen, als einen bestehenden zu halten, wirkt sich das natürlich gut auf die Bilanz aus. Außerdem sind Mitarbeiter, die sich bewährt haben, in der Regel auch produktiver als jemand, der sich noch in der Einlernphase befindet. 

Leute reden darüber, dass Sie sich um Mitarbeiter kümmern (oder eben nicht).

Ihre Arbeitgebermarke ist Ihr Reisepass auf jeder Einstellungsreise. Wenn ihre Arbeitgeberreputation nicht stark ist, fällt es Ihnen möglicherweise schwer, sehr gute Mitarbeiter zu finden. Das kann dazu führen, dass Sie gegenüber der Konkurrenz zurückfallen. 

Maßnahmen zur Steigerungen des Wohlbefindens sind ein beliebtes Benefit.

Eine gute Work-Life-Balance und andere Maßnahmen, die das Arbeitsleben angenehmer machen, sind heutzutage nicht nur etwas für die Führungsriege. Selbst in der Produktion und anderen vergleichbaren Branchen treffen Sie mittlerweile vielleicht auf mehr Bewerber, die sich fragen, wie die Arbeit für Sie ihr Leben verbessern kann, abgesehen davon, dass sie dafür ein regelmäßiges Gehalt erhalten. Laut einer Randstad-Studie meinen 62 % der Personalleiter, dass ein Maßnahmenprogramm zur Steigerung des Wohlbefindens in der Belegschaft extrem oder sehr wichtig ist, um Mitarbeiter anzuziehen.

Sie sehen also – wenn Sie sich um das Wohlbefinden Ihrer Mitarbeiter kümmern, kümmern Sie sich zugleich indirekt um viele Aspekte, die mit der Produktivität zusammenhängen. Dazu gehören die Anwesenheitsrate, die Mitarbeitermoral und Ihre Möglichkeiten, die richtigen Mitarbeiter zu finden und zu halten. Aber der Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden der Mitarbeiter und der Produktivität reicht sogar noch darüber hinaus. 

Der Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden der Mitarbeiter und der Produktivität. 

Lassen Sie uns tiefer in dieses Thema eintauchen, um genauer zu verstehen, wie sich das Wohlbefinden der Mitarbeiter auf die Produktivität auswirkt. Wir haben einige Statistiken aus Untersuchungen von Organisationen in mehreren Ländern zusammengetragen, die sich mit diesem Thema befassen. Diese Fakten sowie deren Zusammenhang mit der Produktivität können Sie im Folgenden nachlesen. 

Körperliche Gesundheit fördert die Produktivität. 

Fakten: Forscher der Brigham Young University, des Center for Health Research bei Healthways und der Health Enhancement Research Organization haben untersucht, wie sich körperlich gesunde Gewohnheiten auf die Arbeitskraft auswirken. Hier sind einige der Ergebnisse: 

  • Gesunde Essgewohnheiten steigern die Wahrscheinlichkeit einer höheren Arbeitsleistung um 25 %. 
  • Wenn man sich mindestens dreimal pro Woche bewegt, steigert dies die Wahrscheinlichkeit auf eine bessere Arbeitsleistung um 15 %.
  • Bei Arbeitnehmern, die sich gesund ernähren und Sport treiben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie der Arbeit fernbleiben, um 27 % reduziert.

Direkter Zusammenhang mit der Produktivität:

Menschen, die körperlich fit sind, können im Allgemeinen schneller, effektiver und länger arbeiten. Denken Sie einmal darüber nach: Wenn Sie mit einer Migräne oder Magenschmerzen zu kämpfen haben oder über Schmerzen in Ihrem Bein stöhnen, wie effektiv können Sie dann Ihre Arbeit erledigen? Die für die meisten Menschen zutreffende Antwort ist, dass jedes gesundheitliche Problem ihre Aufmerksamkeit, Motivation und Fähigkeit zur Erbringung hoher Leistung reduziert.

Anregung für Arbeitgeber: 

Überlegen Sie, wie Sie Ihre Mitarbeiter dabei unterstützen können, auf sich zu schauen. Dies könnte verschiedene Angebote beinhalten, wie Wellness-bezogene Leistungen oder die Förderung von Bewegungspausen oder die Bereitstellung von gesunden Snacks oder Speisen am Arbeitsplatz.

Glücklichere Mitarbeiter sind produktivere Mitarbeiter. 

Fakten: Eine Studie aus Oxford belegt, dass Arbeitnehmer, die ihr Glücksempfinden als hoch einstuften, 13 % produktiver waren als diejenigen, die angaben, ein niedriges Glücksempfinden zu haben. 

Direkter Zusammenhang mit der Produktivität: 

Glückliche Menschen können sich in der Regel besser auf das konzentrieren, was sie tun. Sie sind tendenziell auch motivierter, besonders wenn sie mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Sie möchten in der Arbeit sein und sicherstellen, dass sie dort bleiben können, indem sie gute Arbeit leisten. Zudem besteht die Möglichkeit, in den Genuss von Vorteilen wie Beförderungen, Gehaltserhöhungen oder Boni kommen zu können. 

Anregung für Arbeitgeber: 

Sie können unglückliche Menschen nicht auf magische Weise glücklich machen, aber Sie können Richtlinien schaffen, die den Mitarbeitern dabei helfen können, ihr persönliches Glückslevel zu erhöhen. Ein Beispiel wäre eine flexible Zeitplanung, die es den Mitarbeitern ermöglicht, sich anderweitig zu betätigen oder sich um persönliche Angelegenheiten zu kümmern. Andere Beispiele sind Angebote zur Weiterbildung und soziale Aktivitäten, die einen stärkeren Zusammenhalt in den Teams und ein angenehmes Arbeitsumfeld schaffen.

Unbehandelte psychische Probleme mindern die Produktivität.

Fakten: Die American Psychiatric Association merkt an, dass unbehandelte Depressionen bei einem Arbeitnehmer zu einer Produktivitätsminderung von bis zu 35 % führen können. Etwa 80 % der Personen, die unter psychischen Problemen litten, berichten von einer gesteigerten Leistung am Arbeitsplatz, nachdem sie eine angemessene Behandlung erhalten hatten.

Direkter Zusammenhang mit der Produktivität: 

Psychische Probleme – ob diagnostiziert oder nicht – können einen großen Einfluss auf kognitive Funktionen wie Gedächtnis, kritisches Denken und Konzentration haben. Wenn Mitarbeiter diesbezüglich Probleme haben, kann es für sie schwierig sein, sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren. Psychische Erkrankungen können auch zu körperlichen Symptomen wie Müdigkeit führen, die die Produktivität eines Mitarbeiters herabsetzen können. Nimmt man noch die Tatsache hinzu, dass es schwierig ist, sich zu konzentrieren oder sich um alltägliche Dinge wie die Arbeit zu kümmern, wenn man deprimiert oder angstvoll ist, wird deutlich, dass die psychische Gesundheit ein sehr wichtiger Faktor hinsichtlich der Produktivität ist. 

Anregungen für Arbeitgeber: 

Überlegen Sie, wie Sie Ihren Mitarbeitern helfen können, für ihre psychische Gesundheit zu sorgen. Angebote, die Ihren Mitarbeitern Unterstützung bieten, sind nur eine Möglichkeit. Manche der Maßnahmen, die Sie vielleicht bereits getroffen haben, um Ihren Mitarbeitern dabei zu helfen, bei der Arbeit glücklicher zu sein, können ihnen möglicherweise auch dabei helfen, psychisch gesund zu bleiben und eine positive Lebenseinstellung zu bekommen und beizubehalten.

Gestresste Arbeitnehmer sind nicht produktiv.

Fakten: Die Yale University hat in einer Umfrage herausgefunden, dass fast 30 % der Arbeitnehmer Stress haben, der konkret mit ihrer Arbeit zusammenhängt.

Direkter Zusammenhang mit Produktivität: 

Negativer Stress, unabhängig von dessen Ursache, kann Folgen sowohl für die physische als auch psychische Gesundheit haben. Chronischer Stress ist dabei besonders problematisch. Wenn Ihre Mitarbeiter also durch die Arbeit regelmäßig unter Stress stehen, geht es ihnen womöglich nicht gut. Wie oben beschrieben wirkt sich das negativ auf ihr Potenzial aus. Wenn der Stress gar die Schwelle zum Burnout überschreitet, kann es passieren, dass die Mitarbeiter ganz aufgeben und sich nicht mehr dafür interessieren, wie viel sie tatsächlich erledigt bekommen. 

Anregungen für Arbeitgeber:

Achten Sie auf Stress am Arbeitsplatz und darauf, wie interne Prozesse und Ihre Unternehmenskultur diesen Stress womöglich befördern. Sicher möchten Sie, dass Ihre Mitarbeiter hohen Standards gerecht werden, und Sie wollen mit ihnen zusammenarbeiten und ihnen dabei helfen, Spitzenleistungen zu erzielen. Aber sich die Zeit zu nehmen, um ambitionierte und zugleich realistische Ziele zu setzen, die verschiedenen Positionen mit den richtigen Personen zu besetzen, die Kommunikation offen und klar zu gestalten und im Bewerbungsprozess jene Bewerber zu bevorzugen, die gut ins Team passen, kann insgesamt dazu beitragen, unnötigen Stress am Arbeitsplatz zu reduzieren. 

Ist Mitarbeiterproduktivität ein Problem in Ihrem Unternehmen? 

Jeder Arbeitgeber sollte das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter berücksichtigen, doch haben heute nicht alle Unternehmen ein Produktivitätsproblem. Man kann ein Problem nicht lösen, wenn man nicht weiß, ob es existiert. Deshalb ist es auch für Sie wichtig, zu ermitteln, ob Ihre Belegschaft angemessen produktiv ist. Sie können sich zum Beispiel folgende Fragen stellen: 

  • Sind Kunden oder Auftraggeber mit unseren Produkten und Dienstleistungen zufrieden? 
  • Erzielt Ihr Unternehmen Gewinne, und entsprechen die Personalkosten den Erwartungen? 
  • Sind Sie mit Ihrem aktuellen Personal in der Lage, Ziele zu erreichen und Anforderungen zu erfüllen? 
  • Wird jedes Team oder jede Person den Anforderungen, die Sie an sie stellen, gerecht? 

Dies sind nützliche Indikatoren zur Beurteilung der Produktivität, aber es sind nicht die einzigen Fragen, die Sie sich stellen sollten. Wir haben eine Checkliste mit neun Anzeichen dafür erstellt, die darauf hinweisen, dass Sie Probleme mit der Mitarbeiterproduktivität haben. Damit können Sie diese Probleme in Angriff nehmen, bevor sie noch größer werden.

Über den Autor
Margit Eisschiel
Margit Eisschiel

Mag. Margit Eisschiel

Key Account Director

Margit Eisschiel ist Sales und Key Account Director für Randstad Österreich und verfügt über langjährige Erfahrung in der Personalbranche. Seit 1998 im Unternehmen hat sie zuvor viele Jahre als Niederlassungsleiterin Randstads Geschäft in Salzburg erfolgreich ausgebaut.